Es gibt einen Moment, der sich in fast jedem Vorstand wiederholt, mit dem ich arbeite. Das Thema AI taucht auf der Agenda auf, jemand nennt eine Zahl, jemand anderes nennt einen Anbieter, und nach zwanzig Minuten ist die Entscheidung gefallen, ein Pilotprojekt zu starten - verantwortet von der IT, begleitet durch eine Beratung, mit einem Steering Committee, das in zwei Quartalen Bericht erstattet.
So wird AI delegiert, bevor jemand am Tisch wirklich damit gearbeitet hat. Das Ergebnis kennen Sie: Pilotprojekte ohne Wirkung. Roadmaps, die der Realitaet der Werkzeuge nicht standhalten. Und ein Vorstand, der ueber etwas entscheidet, das er nicht selbst beherrscht.
§ I - AusgangspunktDer Unterschied zwischen Information und Erfahrung.
Sie haben in Ihrer Karriere viele Themen verstanden, ohne sie selbst zu tun. AI gehoert nicht dazu. Der Grund ist nicht technisch - er ist epistemisch. Aktuelle Modelle sind nicht deterministisch. Sie verhalten sich anders, je nachdem, wie Sie mit ihnen sprechen, welche Aufgabe Sie geben, welchen Kontext sie haben. Das laesst sich in Dokumenten beschreiben - aber nicht verstehen, ohne es einmal selbst getan zu haben.
Wer AI nur ueber Briefings kennt, entscheidet auf Basis fremder Erfahrung. Wer mit den Modellen arbeitet, sieht innerhalb weniger Stunden, wo sie tragfaehig sind und wo nicht - und welche Rolle die eigene Expertise dabei spielt. Diese beiden Zustaende sind nicht graduell verschieden. Sie sind zwei verschiedene Welten.
Die wichtigste AI-Kompetenz im Unternehmen ist die des Entscheiders selbst.
§ II - Drei FehlerWas ich taeglich sehe.
In nahezu jedem Mandat begegnen mir dieselben drei Muster. Sie wiederholen sich unabhaengig von Branche und Unternehmensgroesse:
- AI wird zu frueh delegiert. An die IT, an externe Berater, an Mitarbeiter, die das Unternehmen weniger gut kennen als der Vorstand selbst. Die operative Verantwortung wandert nach unten - und damit das Verstaendnis.
- Entscheidungen vor der Erfahrung. Tool-Stacks und Roadmaps werden gewaehlt, bevor jemand im Vorstand mit den Werkzeugen wirklich gearbeitet hat. Wer nicht selbst getippt hat, kann nicht beurteilen, was moeglich ist.
- Strategie ersetzt keine Praxis. Folien ueber AI-Transformation ueberzeugen niemanden, dessen Tag mit der Realitaet der Modelle beginnt. Mitarbeiter spueren sofort, ob ihr CEO die Werkzeuge benutzt - oder nur ueber sie spricht.
§ III - Praxis statt StrategieWas im Coaching tatsaechlich passiert.
Wir arbeiten nicht an Beispielen. Wir arbeiten an Ihren echten Mails, Ihren echten Vorlagen, Ihrer echten Vorstandsvorbereitung. In den ersten vier Sitzungen geht es fast ausschliesslich darum, dass Sie die Werkzeuge selbst oeffnen und benutzen - mit mir daneben, der zeigt, was sich lohnt und was nicht. Erst wenn das sitzt, kommen die strategischen Fragen.
Drei Linien, die wir immer aufbauen.
- Eine persoenliche Werkzeug-Praxis, die Sie nach drei Wochen ohne Hilfe weiterfuehren.
- Eine Bewertungssprache, mit der Sie eingehende Vorschlaege von Beratern, von der IT und vom Aufsichtsrat selbst einordnen koennen.
- Eine klare Linie, was Sie an Ihre Organisation delegieren - und was Sie nicht delegieren duerfen.
§ IV - KonsequenzWarum das nicht jeder will.
Coaching dieser Art ist unbequem. Es nimmt drei Stunden pro Woche, es zwingt zur Auseinandersetzung mit Werkzeugen, die sich anfuehlen, als gehoerten sie einer juengeren Generation. Es ersetzt das saubere Format eines Beratungsmandats durch die Muehe der eigenen Praxis.
Genau das ist der Punkt. Wenn AI Chefsache wird, kann sie nicht delegiert werden. Wenn sie delegiert wird, ist sie nicht Chefsache. Beides zugleich gibt es nicht.
Wer die wichtigsten Werkzeuge seines Jahrzehnts nicht selbst beherrscht, entscheidet ueber Karten, die andere fuer ihn gezeichnet haben. - Aus dem Manifest, 2026
